Zielgruppenorientiertes Aktivierungs- und Betreuungskonzept

 (ergänzend zu den allgemeinen Angeboten)

 

Bewohner mit Demenz

Bewohner mit Demenz

  • Struktur, Rahmenbedingungen
    • Tagesbeginn mit ritualisiertem Ablauf
    • Orientierung zur Person, räumlich und zeitlich (Begrüßung, welcher/welches Tag/Wetter ist heute? Geburtstage/Namenstage, Bauernregeln zur Jahreszeit, Sitten und Gebräuche, Tageszeitung)
    • Themenstunden immer zur selben Zeit am selben Ort
  • Validierende Gesprächsführung
    Der demenziell veränderte Bewohner darf sein, wie er ist. Gefühle (z.B. Angst, Wut, Verzweiflung, usw.) und Antriebe (Ordnungssinn, Korrektheit, usw.) von Bewohnern zu validieren heißt, deren Regeln zu akzeptieren, für gültig zu erklären und wertzuschätzen, ohne sie zu beurteilen oder sie in ihrem Verhalten zu korrigieren.
  • Nonverbale Kommunikation
    Ca. 80% aller Kommunikation wird in der Demenz nonverbal wahrgenommen. Demenziell veränderte Bewohner zeigen eine hohe Sensibilität gegenüber nonverbaler Kommunikation, dies muss in der Betreuung immer bewusst sein. Wir senden ständig Signale:
    • Mimik (eine bestimmte Mimik steht für eine bestimmte Botschaft)
    • Augenkontakt („Sie konnte mir nicht in die Augen sehen ...“)
    • Körpersprache (nicken, Kopf schütteln, drohen)
    • Gestik (mit den Schultern zucken, Hände falten, winken...)
    • Berührung (Umarmung, Hand geben...)
    • Tonfall ("der Ton macht die Musik"...)
  • Biographisch orientierte Themenstunden
    Biographisches Arbeiten ist immer persönliche, individuelle Erinnerungsarbeit, die sich aus der Lebensgeschichte der Bewohner erklärt. Dies ist gerade für demenziell erkrankte Bewohner besonders wichtig, weil das Leben aus den Fugen zu geraten scheint, wenn Orientierungslosigkeit und Verwirrtheit zunehmend von der betroffenen Person Besitz ergreifen. Die Themen werden so gewählt, dass sie einen direkten Bezug zur Lebenswelt des Bewohners haben und Schlüsselreize, bzw. Erinnerungsimpulse geben (Altgedächtnis). Jedem Bewohner wird ermöglicht, aus seinem Erfahrungsschatz etwas beitragen zu können (ressourcenorientiert).Kreativität und Flexibilität des Betreuers sind im Umgang mit demenziell erkrankten Bewohnern besonders wichtig. Anschauungsmaterial aus der Prägezeit (Kindheit, Jugend, frühes Erwachsenenalter) der Bewohner, z.B. Butterfass, Waschbrett, altes Bügeleisen, usw. bietet Gesprächsanreize und "Gedankenanker" in die Vergangenheit.

Bewohner mit Gehbehinderung (Rollstuhl, Rollator)

Bewohner mit Gehbehinderung (Rollstuhl, Rollator)

  • Hol- und Bringdienst
    Bewohner, die auf einen Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind, werden von der Sozialen Betreuung zu verschiedenen Veranstaltungen und Angeboten begleitet (mit Unterstützung des Pflegepersonals oder ehrenamtlichen Helfern).
  • Rollstuhl- und Rollatortraining
    Das Rollstuhl- und Rollatortraining dient der Förderung von Sicherheit im Umgang mit der entsprechenden Gehhilfe.
  • Sturzprohylaxe
    Sie dient der Verbesserung des Gangbildes/des Gleichgewichts und verringert Unsicherheiten und Stürze. Diese führt wiederum zu mehr Aktivität und Selbstvertrauen
  • Information über Hilfsmittelbedarf an Pflegefachkraft

Bewohner mit Sehbehinderung

Bewohner mit Sehbehinderung

  • Ankündigung von Veranstaltungen
    Die Soziale Betreuung erinnert täglich mündlich an Gruppenangebote und Veranstaltungen.
  • Schriftgröße anpassen
    Aushänge und Informationsblätter werden mit großer Schrift geschrieben und in einem großen übersichtlichen Format ausgehängt und ausgehändigt.
  • Vorlesen
    Durch das Vorlesen wird das Interesse an Literatur (Geschichten und Gedichte) und Aktuellem (Zeitung) aufrechterhalten oder geweckt und zusätzlich die Konzentration und die Informationsverarbeitung trainiert.
  • Einsatz von Hörbüchern
    Als Möglichkeit der Unterhaltung für Menschen, die aufgrund der Sehbehinderung nicht lesen können, dienen Hörbücher.
  • Information über Hilfsmittelbedarf an Pflegefachkraft

Bewohner mit Schwerhörigkeit

Bewohner mit Schwerhörigkeit

  • Laut und deutlich sprechen
    Um die Teilhabe von schwerhörigen Menschen an Gruppenangeboten zu gewährleisten, ist es für den Gruppenleiter unabdingbar, laut und deutlich zu sprechen. Während Veranstaltungen im Großen Saal wird das Mikrofon als Hilfsmittel zur besseren Verständlichkeit eingesetzt.
  • Optische Hilfsmittel
    Das Aufschreiben von einzelnen Sätzen oder Fragen erleichtern die Verständigung mit schwerhörigen Menschen.
  • Information über Hilfsmittelbedarf an Pflegefachkraft

Bewohner die Hilfestellung beim Essen benötigen

Bewohner die Hilfestellung beim Essen benötigen

Förderung der Selbständigkeit bei Essen und Trinken sowie Verringerung der Gefahr des Verschluckens durch:

  • Spezielles Besteck
  • Biegsames Besteck mit rutschfestem Griff, das individuell für Bewohner mit eingeschränkter Handbeweglichkeit (z.B. bei Arthritis/Arthrose) angepasst werden kann.
  • Ess- und Trinktraining
  • Unterstützung bei Essen und Trinken durch z.B. Handführung oder Armführung
  • Information über Hilfsmittelbedarf an Pflegefachkraft

Bewohner mit Beeinträchtigungen der Sprache und des Sprachverständnisses

Bewohner mit Beeinträchtigungen der Sprache und des Sprachverständnisses

Um die Verständigung zu ermöglichen, ist es wichtig deutlich und langsam zu sprechen. Umgekehrt gilt es, die Bedürfnisse der Personen anhand von Mimik und Gestik zu deuten und zu berücksichtigen. Dafür bedarf es einer Kennenlernphase zum Zeitpunkt des Einzugs und kontinuierlich im weiteren Verlauf.

Psychisch beeinträchtigte Bewohner

Psychisch beeinträchtigte Bewohner

Verwirrung und veränderte Wahrnehmung, welche im Zusammenhang mit Demenz stehen, erzeugen oft:

  • starke Gefühlsausbrüche (u.a. weinen, schimpfen, schreien)
  • Unsicherheit
  • Ängste
  • Rückzug

Um dem entgegenzuwirken ist Trost und Halt von entscheidender Bedeutung. Deshalb sind regelmäßige Gespräche, die helfen Ängste abzubauen, Depressionen entgegenzuwirken oder traumatische Erlebnisse zu verarbeiten, ein Anliegen der Sozialen Betreuung.
Die Soziale Betreuung steht dem betroffenen Menschen als Kontaktperson zur Seite und bei Bedarf vermittelt sie durch die Pflegefachkraft an entsprechende Fachärzte.

Bettlägerige Bewohner

Bettlägerige Bewohner

Fördern, aktivieren und steigern des Wohlbefindens (soweit bei den jeweiligen Bewohnern noch möglich)

  • Aktivierende Pflege ( Lagerung, Waschungen durch die Pflegefachkräfte)
  • Radio/Musik anstellen
  • Vorlesen (Zeitung, Geschichten, Gedichte)
  • Massage zur Lockerung, zur besseren Durchblutung, zur Körperwahrnehmung und zur Steigerung des Wohlbefindens
  • Musik/Singen zur Wiedererkennung vertrauter Texte und Inhalte
  • Dekoration/Bilder im Zimmer oder an der Decke anbringen, damit die Bewohner nicht nur auf „die weiße Wand“ starren müssen, um Erinnerungen zu wecken, zur Orientierung
  • Hautpflege zur Vermeidung von sehr trockener Haut und zur Prävention von Dekubitus
  • Schaffen einer angenehmen Atmosphäre im Bewohnerzimmer, durch regelmäßiges Lüften, frische Blumen, Duftspray etc. damit sich der Bewohner in seiner Umgebung wohl fühlt und neue Anregungen erhält
  • Passive Bewegungsübungen zur Körperwahrnehmung, für größere Beweglichkeit, zur Anbahnung eventueller eigener Bewegungen
  • Atemstimulierende Einreibungen für eine gleichmäßige, ruhige Atmung, zur Körperwahrnehmung
  • Basale Stimulation zur Anregung der Bewohner mit Wahrnehmungsverlusten, zur Kommunikation mit ihnen, mit dem Ziel, dass diese sich selber und ihre Umwelt wieder besser wahrnehmen und mit sich und ihrer Umwelt wieder in Kontakt treten können.
  • Zur basalen Stimulation gehören:
    • Somatische und vestibuläre Stimulation
    • Es dient der Förderung der Eigenwahrnehmung des Körpers (durch unterschiedliche Lagerung, durch Kissen hinter den Fußsohlen, durch unterschiedliche Kleidung, durch den Kontakt mit Wasser, durch Ganzkörperwaschungen
    • Taktile Stimulation
    • Es dient der Förderung des Begreifens des eigenen Körpers und der Umwelt (durch verschiedene Materialien, Tastbretter, bekannte Gegenstände)
    • Vibratorische Stimulation
    • Zum Aufbau des Gefühls für den eigenen Körper über die Wahrnehmung feiner Schwingungen (durch Vibrationskissen, elektrische Geräte, Schüttelbewegungen, Hin- und Herwiegen des Bewohners)
    • Olfaktorische Stimulation
    • Dem Bewohner werden bekannte und angenehme Düfte dargeboten
    • Orale und gustatorische Stimulation
    • Zum Spüren der Mundregion, Wecken von Interesse, Aufmerksamkeit und Empfindungen (durch bekannte Gerüche, durch Stimulieren des Saugreflexes, durch Zungenbewegungen)
    • Auditive Stimulation
    • Zur Anregung, Erinnerung (durch Tonbänder mit bekannten Stimmen, langsames, deutliches Sprechen)
    • Visuelle Stimulation
    • Es dient der Förderung des bewussten Sehens (durch eindeutige Gestaltung des direkten Umfeldes, ans Fenster setzen)

Schwerstpflegebedürftige Bewohner/Sterbebegleitung

Schwerstpflegebedürftige Bewohner/Sterbebegleitung

Palliative Versorgung bedeutet „Schutz“, „Wärme“ geben, umsorgen, lindern, wohl tun. Ziel ist die bestmögliche Lebensqualität für Bewohner und ihre Angehörigen. Die Wahrung der Menschenwürde hat höchste Priorität.

  • Bewohnerkonzentrierte Begleitung
  • Linderung von krankheitsbedingten Beschwerden wie Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen, etc. (Symptomkontrolle)
  • Ganzheitliche Begleitung
  • Unterstützung in der Schwerstpflegephase und Sinnfindung.
  • Familienkonzentrierte Begleitung
  • Kommunikation/Hilfestellung zwischen Bewohnern/Angehörigen und Betreuern.
  • Teamarbeit, das individuelle Behandlungskonzept wird in Zusammenarbeit mit den Angehörigen/Betreuern von einem interdisziplinären Team gemeinsam getragen.